Europäisches Parlament gewinnt ‘Public Sector Project of the Year’-Preis bei den AV Awards in London

17.Oktober 2019 - 13:49

Das Europäische Parlament (EP) und Lawo gehören zu den diesjährigen Gewinnern der begehrten „AV Awards“: Das Projekt „Mission Transparency“ des EP erhielt diese Auszeichnung in der Kategorie „Public Sector Project of the Year“.

Die AV Awards werden gerne auch als die „Oscars der AV-Branche“ bezeichnet, deren alljährliche Gala erstmals im Londoner Battersea Evolution stattfand. Die Jury würdigte die enorme Herausforderung des Projekts, die mit einem bahnbrechenden Ansatz und einer massiven, maximal skalierbaren Audio- und Video-over-IP-Infrastruktur gelöst wurde. Das gesamte Netzwerk wird mit einer benutzerdefinierten GUI verwaltet, die eine intuitive Kontrolle über Tausende von Audio- und Videokanälen ermöglicht. Das Projekt basiert auf offenen Standards (ST2110, AES67, Ember+) und einer herstellerunabhängigen Plattform.

Zu den zentralen Aufgaben der AV-Abteilung im Europäischen Parlament gehört die Optimierung der Wahrnehmung des EP, um das Interesse der EU-Bürger an der Arbeit des Parlaments zu wecken und die Teilnahme an EU-Wahlen ermuntern. Die überaus erfolgreichen Kampagnen im Frühjahr 2019 waren nur zwei Highlights eines ehrgeizigen Projekts, das jetzt vollständig umgesetzt ist. Über 640 Videostreams und 9.000 Audiokanäle können in dem redundant angelegten IP-Netzwerk sowohl vor Ort als auch vom jeweils anderen Standort aus aufgerufen werden.

Jedes gesprochene Wort in jeder Sprache ist für jedermann und überall verfügbar; die IP-basierte Audio-Routing- und Mixing-Infrastruktur ist nahtlos mit den Konferenzsystemen aller 85 Tagungsräume in Brüssel und Straßburg verbunden, und Simultanübersetzungen in bis zu 32 Sprachen werden ebenfalls flexibel transportiert.

Zusätzlich zu den internen Spezialisten hat das Europäische Parlament externe Dienstleister hinzugezogen, allen voran den Hersteller von professionellen, IP-basierten Netzwerk-, Video-, Audio- und Steuerungslösungen Lawo.

Die strategische Kernentscheidung bei diesem Projekt war, das neue System als einheitliches IP-Netzwerk an den verschiedenen Standorten aufzubauen. Dieses Netzwerk bildet die Grundlage für den Transport von HD-Video-, Audio- und Steuerdaten sowie die Bearbeitung von Tausenden Audio- und Videodatenströmen. Das System erstreckt sich über mehrere Gebäude (Entfernungen bis zu 350 m) und zwei Parlamente (Abstand: 450 km) und stellt eine der komplexesten A/V-Infrastrukturen der Welt dar.

Debatten und Besprechungen ergeben ein Live-Videoprogramm mit bis zu 24 wählbaren Audio-Feeds; die Signale aus den Konferenzräumen und Dolmetscherkabinen werden über jeweils eine Lawo V__remote4 transportiert, welche die Audiosignale in zwei SDI-Signale einbettet (bis zu 16 Audiokanäle zusätzlich zum Videosignal) und sich um die Lippensynchronisation kümmert. Die beiden SDI-Signale werden in IP-Streams gewandelt und zum Multimedia-Center des EP übertragen, wo sie kodiert, gestreamt und verteilt werden.

Weitere zukunftsbewusste Entscheidungen waren die Anschaffung eines leistungsstarken Audio-Routers ohne Hardware-Bedienfeld, der Einsatz der software-definierten IP Core Routing, Processing & Multi-Viewing Plattform V__matrix und die Entscheidung zum Virtual Studio Manager (VSM) von Lawo für das übergeordnete Facility Management. Das format- und herstellerunabhängige VSM-Steuerungssystem ermöglicht es den Anwendern, Video- und Audiosignale sowohl auf der IP- als auch auf der Baseband-Ebene zu verkoppeln, zu routen, zu optimieren und zu überwachen.

VSM steuert ferner alle relevanten A/V-Geräte an beiden Standorten über ein redundantes Spine/Leaf 40/10GbE IP-Netzwerk und ermöglicht es, den Status und die Pegel von Audio- und Videosignalen zu überwachen und zu ändern.

Neben den Fernsehsendern EBS und EBS+ betreibt das Europäische Parlament mehrere Radiokanäle, die ebenfalls an das campusweite IP-Netz angeschlossen sind.

„Mission Transparency ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein logischer Schritt zum nächsten führt“, kommentierte Dirk Sykora, Lawos Systemarchitekt für dieses Projekt. „Wohl überlegte und weitsichtige Entscheidungen in den Schlüsselstadien des Projekts erlaubten eine ungemein schnelle Skalierung der Installation, die bei Bedarf zügig um Zusatzfunktionen erweitert werden konnte. Das Europäische Parlament kann stolz sein auf sein weltweit einzigartiges AV-System.“

Jamie Dunn, CCO von Lawo, fügte hinzu: „Ich bin beeindruckt von der Anzahl der Audiokanäle und Videostreams, die über das IP-Netzwerk des Europäischen Parlaments huschen und von der Benutzeroberfläche, die mit Hilfe unseres VSM-Systems und unserer IP-Lösungen eine intuitive Bedienung ermöglicht. Glückwunsch an alle Beteiligten!“